Rechtsanwalt nutzt Betrugssystem – Hilfe für Opfer

Fake-Rechtsanwalt schädigt Unternehmen durch Betrug – Landgericht Stuttgart Urteil – Anwaltsberufshaftpflicht tritt nicht bei vorsätzlichen Schädigungen ein. Opfer sind verunsichert, was tun? – von John Weseloh, Jurist

„Gestatten Rechtsanwalt Dr. Schmidt“. Mit dieser Vorstellung brachte ein Fake-Anwalt Firmen um Millionen! Diese Masche kam zur Verhandlung vor Gericht. Das Landgericht Stuttgart verurteilte den vermeintlichen Rechtsanwalt.

Dreistigkeit führt zum Erfolg – „nicht kleckern, sondern klotzen“

Jahrelang erprobt und ein funktionierendes Erfolgsmodell des verurteilten Hamburger Rechtsanwaltes. Wie war der Rechtsanwalt vorgegangen? Erst schloss dieser Rechtsanwalt sich an das Betrugssystem einer Bande an. Er betrog Mandanten mit List. Wie funktionierte das Betrugssystem? Der Rechtsanwalt sammelte über die frei zugänglichen Medien Informationen über eine deutsche Firma. Eine Art Firmenanalyse angefangen von den Namen der Buchhalter und der Geschäftsführung. Im nächsten Schritt wird dem Buchhalter eine perfekt gefälschte Mail gesandt. Der Inhalt: „Er solle in einer vertraulichen Sache auf den Anruf eines Anwalts namens Dr. Schmidt warten.“ Darauf fällt ein erfahrener Buchhalter nicht rein, oder? Der geniale Trick war, dass der Absender der gefälschten Mail der Chef des Buchhalters war. Beim Anwalt Dr. Schmidt handelte es sich in Wirklichkeit um den Rechtsanwalt R. aus Rotenburg. Weiterhin verlangte der Anwalt in höchster Vertraulichkeit eine Überweisung auf ein Auslandskonto. Zielkonto befand sich in Hong Kong. Äußerste Diskretion war geboten, die Übernahme einer Konkurrenzfirma sei geplant. Im Prozess gab der angeklagte Rechtsanwalt zu, dass Dreistigkeit und Mut beim Ausspionieren einzelner Firmen den Erfolg brachte. Der Rechtsanwalt ist nach dem Prinzip der sogenannten CEO-Fraud-Masche vorgegangen.

Stuttgarter Fall Bandenbetrug: „Anwalt“ in Betrugsring verstrickt – Verurteilt zu fünf Jahren und drei Monaten Haft

Die 13. Strafkammer des Landgerichts Stuttgart entschied vom 06. Februar 2019 gegen einen 52 Jahre alten Franzosen. Der verurteilte Franzose trat als Anwalt auf, er handelte als Fake-Anwalt. Vor Gericht gestand der Angeklagt, dass er als Mitglied einer Bande von der israelischen Hauptstadt Tel Aviv aus, deutsche Firmen in Baden-Württemberg um fünf Millionen Euro betrogen hat. Das Landgericht verhängte daraufhin die hohe Freiheitsstrafe.

Der Unterschied in beiden Fällen

Im ersten Fall, ein echter Anwalt aus Hamburg. Im zweiten Fall, ein Fake-Anwalt aus Tel Aviv. In beiden Fällen entstanden hohe Schäden. Betroffene Unternehmen, deren Mitarbeiter und Familien wurden Opfer dieser Betrugsmodelle. Sie sind verunsichert, warum war dieses Vorgehen erfolgreich, wie verhindern und welcher Schutz ist nötig? Wie eine Fake-Email enttarnen oder die Identität des Täters überprüfen?

Opfer leiden – Anspruch auf Schadensersatz?

Geschädigte Unternehmen und deren Mitarbeiter bauen auf eine Wiedergutmachung. Schadensersatzanspruch gegen den Schädiger (§§ 823 ggf. 826 Bürgerliches Gesetzbuch) besteht. Was wenn der Schädiger kein Geld hat? Der Rechtsanwalt setzt seine Haftpflichtversicherung über den Schadensfall in Kenntnis, da ein direkter Anspruch des Geschädigten gegen die Versicherung nicht besteht.

Zahlt die Versicherung bei Vorsatz des Rechtsanwalts?

Der Fake-Anwalt hat keine Versicherung, die zahlt. Er übt den Beruf Rechtsanwalt nicht aus. Der echte Rechtsanwalt, der betrügt hat eine gesetzlich vorgeschriebene Haftpflichtversicherung. Mandanten wiegen sich in Sicherheit auf Grund der Kenntnis der gesetzlich vorgeschriebenen Haftpflichtversicherung beim Anwalt. Mandanten verlassen sich darauf, dass jeder ausgelöster Schaden durch eine anwaltliche Pflichtverletzung ausgeglichen wird. Geregelt ist, dass gemäß § 51 Bundesrechtsanwaltsordnung (BRAO) eine gesetzliche Pflichtversicherung mit einer Mindestversicherungssumme von 250.000 € pro Versicherungsfall bei vierfacher Jahreshöchstleistung erforderlich ist.

Achtung Ausschlussklausel

Die Versicherung zahlt nicht bei jeder Art von Pflichtverletzung eines Rechtsanwalts. Achtung Ausschlussklausel, diese hat für betroffene Mandanten bittere Auswirkungen. Wichtig ist, dass vor einem Verfahren Klarheit über Ausschlussklauseln besteht.

Versicherung weist geltend gemachten Anspruch zurück?

Versicherungsvertragsgesetz § 81: „Der Versicherer ist nicht zur Leistung verpflichtet, wenn der Versicherungsnehmer vorsätzlich den Versicherungsfall herbeiführt.“ Dies ist bei dem kausalen Schaden aus einer Straftat gegeben. Der Versicherer kürzt bei grober Fahrlässigkeit den Betrag angemessen. Was ist angemessen? Die Rechtsprechung entscheidet im Einzelfall. Daraus ergibt sich keine Verlässlichkeit für das betroffene Opfer, dass ein Rechtsanwalt für eine Schadensgutmachung in jedem Fall sorgen wird. Dies gilt bei der Unterschlagung von Geldern von Mandanten oder anderen vorsätzlichen Straftaten.

Fazit: Opfer kämpfen mit Vertrauensverlust und Verunsicherung im Umgang – Niemand ist vor einem Fake-Anwalt geschützt. Was tun?

„Unwissenheit schützt nicht“ – bedeutet, dass Aufmerksamkeit durch Transparenz, Erfahrungsaustausch, Aufklärung und Rücksprache mit beispielsweise dem Vorgesetzten eine Absicherung bringen. Der Hamburger Fall mit dem echten Anwalt oder der Stuttgarter Fall mit dem Fake-Anwalt wäre nicht passiert. Ob das Gegenüber ein Rechtsanwalt lässt sich im Internet, im Register prüfen. Bei Unstimmigkeiten, Unklarheiten, Besonderheiten oder einem unguten Gefühl lohnt eine weitere Prüfung mit Fragen, warum das Geschäft nicht zu tätigen ist. Fragen werden ausgelöst, durch den Wunsch der schnellen Überweisung eines hohen Betrages. Die Betroffenen finden Hilfe bei den Geldwäscheabteilungen der Hausbank, die international vernetzt sind. Themen rund um Geldwäschevermeidung helfen weiter. Ist die Überweisung ins Ausland getätigt, helfen Behörden und international tätige Wirtschaftsermittler. Vorsicht ist geboten, betroffen ist jeder!

Hier zum Anwaltsregister https://www.bea-brak.de/bravsearch/search.brak

https://www.openpr.de/news/119134/Bankhebelgeschaefte-Alte-Tricks-und-neue-Opfer.html

https://www.anwalt24.de/fachartikel/wirtschaft-und-gewerbe/38184

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